*Dieses Bild wurde mit KI generiert.
Herzlich Willkommen auf der Projektwebseite des Forschungsprojektes Pink Slime: Pseudojournalismus in der Schweiz und Deutschland.
Das Phänomen «Pink Slime»
Die vorliegende Studie untersucht erstmals systematisch das Phänomen des sogenannten Pink Slime im deutschsprachigen Raum mit besonderem Fokus auf die Schweiz. Ziel des Projekts war es, pseudo-journalistische Medienangebote im lokalen Informationsraum zu identifizieren, ihre Strukturen und Funktionsweisen zu analysieren, ihr Gefährdungspotenzial für demokratische Gesellschaften zu bewerten und daraus Handlungsempfehlungen für Politik, Medien und Gesellschaft abzuleiten. Gemeint sind Medienangebote, die journalistische Formen, Sprache und Gestaltung imitieren, ohne journalistischen Qualitätsstandards, Transparenzpflichten oder redaktioneller Unabhängigkeit verpflichtet zu sein. Sie erscheinen als Lokalzeitung, Nachrichtenportal oder lokaler Social-Media-Kanal, verfolgen jedoch häufig wirtschaftliche, politische oder propagandistische Interessen.
Forschungsbericht und Management Summary zum Downloaden
Das Projekt
Erstellung einer Typologisierung: Systematische Erfassung und Kategorisierung von Pink-Slime-Erzeugnissen in der Schweiz und Deutschland.
Bewusstseinsbildung: Information der Bevölkerung und von Stakeholder:innen aus Politik und Gesellschaft zu den Risikopotenzialen pseudo-journalistischer Produkte.
Entwicklung präventiver Massnahmen: Entwicklung von Handlungsempfehlungen zur Förderung von Transparenz und Stärkung der demokratischen Resilienz.
„Welche pseudo-journalistischen Produkte existieren in der Schweiz, welche inhaltlichen Schwerpunkte sind zu erkennen und wie lassen sich diese klassifizieren?“
„Welche Akteur:innen und Netzwerke stehen hinter diesen Produkten?“
„Wie ist das Phänomen von pseudo-journalistischen Produkten einzuschätzen, welche (politischen) Entscheidungen und Handlungsempfehlungen können abgeleitet werden?“
Die Untersuchung basiert auf einer umfassenden Literaturrecherche, elf Expert:innen-Interviews in der Schweiz und Deutschland, Inhaltsanalysen ausgewählter Print-, Online- und Social-Media-Angebote sowie – zusätzlich zum eigentlichen Projekt einer Netzwerkanalyse relevanter Akteur:innen und Strukturen.
Details zum methodischen Vorgehen finden Sie in unserem Projektbericht.
Während die Folgen von Nachrichtenwüsten (News Deserts) und dem Rückgang lokaler journalistischer Angebote international intensiv erforscht werden, blieb die Frage weitgehend unbeachtet, welche Akteur:innen die entstehenden Informationsräume besetzen. Gerade hier setzt Pink Slime an.
Ein wesentliches Ergebnis der Untersuchung besteht darin, dass Pink Slime nicht ausschliesslich dort auftritt, wo professioneller Lokaljournalismus verschwunden ist. Zwar begünstigen Nachrichtenwüsten die Verbreitung pseudo-journalistischer Angebote. Die Analyse zeigt jedoch, dass Pink Slime ebenso in urbanen, wirtschaftlich attraktiven und medial vergleichsweise gut versorgten Regionen vorkommt.
Die Expert:innen-Interviews legen nahe, dass Pink Slime zunehmend als profitgetriebenes Kommunikationsmodell verstanden werden muss. Die Produktionskosten sind gering, Reichweiten können durch Plattformen, Gratisdistribution und digitale Verbreitungswege erheblich gesteigert werden.
Besondere Aufmerksamkeit verdient das Potenzial von Pink Slime zur politischen Einflussnahme. Die Untersuchung zeigt Hinweise darauf, dass pseudo-journalistische Angebote genutzt werden können, um politische Narrative zu normalisieren, Agenda-Setting zu betreiben, den Eindruck gesellschaftlicher Mehrheiten zu erzeugen, Vertrauen in etablierte Medien und Institutionen zu untergraben sowie Wahl- und Abstimmungskampagnen indirekt zu unterstützen.
Die grösste Gefahr von Pink Slime liegt nicht in einzelnen problematischen Inhalten, sondern in seinen langfristigen Auswirkungen auf demokratische Öffentlichkeiten.
Die Studie zeigt, dass Pink Slime die Unterscheidbarkeit zwischen Journalismus, Werbung, Public Relations und politischer Kommunikation verwischt, Vertrauen in journalistische Institutionen untergraben kann, öffentliche Diskurse verzerrt, gesellschaftliche Polarisierung begünstigt und die Fähigkeit zur gemeinsamen Verständigung über Fakten schwächen kann.
Pink Slime als hybride Kommunikationsform
Auf Basis der Literaturrecherche und der empirischen Analysen entwickelt die Studie eine umfassende Definition von Pink Slime. Demnach handelt es sich um pseudo-journalistische Medienprodukte, die:
- formale Merkmale und ästhetische Codes lokaler Nachrichtenmedien imitieren, um Glaubwürdigkeit zu suggerieren, ohne journalistische Standards oder Transparenzpflichten einzuhalten.
- Sie operieren meist unter lokal oder regional klingenden Titeln, deren Namensgebung ganz bewusst Assoziationen zu etablierten aktuellen oder früheren Qualitätsmedien herstellt.
- Die Inhalte weisen typischerweise einen geringen oder lediglich simulierten Lokalbezug auf, werden häufig zentral mit eher minimalem Aufwand produziert, automatisiert durch KI generiert und/oder zwischen mehreren Regionalausgaben recycelt. Ebenso haben Redaktion bzw. Autoren:innenschaft (soweit überhaupt ersichtlich) meist keinen regionalen Bezug.
- Urheberschaft, Finanzierung und Herausgeber:innenschaft sind intransparent oder verschleiert.
- Zentrale journalistische Qualitätskriterien wie Quellenprüfung, Unabhängigkeit, Transparenz, Trennung von journalistischem Inhalt und Werbung werden nur unzureichend oder gar nicht erfüllt.
- Stattdessen verfolgen Pink-Slime-Medien ökonomische, politische oder propagandistische Zielsetzungen, die in der Aufmachung redaktioneller Unabhängigkeit und Objektivität auftreten.
- Pink-Slime-Medien agieren in einem Spannungsfeld zwischen scheinbar professionellem Journalismus, Public Relations/Unternehmenskommunikation, algorithmisch optimiertem Content-Marketing und strategischer/politischer Desinformation. Damit bilden sie eine hybride Kommunikationsform in einem umkämpften Medienökosystem.
- Ihr Einfluss resultiert insbesondere aus der systematischen Simulation journalistischer Glaubwürdigkeit bei gleichzeitiger Erosion journalistischer und demokratischer Normen.
Handlungsempfehlungen
- Lokaljournalismus als demokratische Infrastruktur anerkennen und stärken
- Pink Slime nicht nur als Folge von News Deserts verstehen
- Transparenzpflichten und Offenlegung konsequent ausbauen
- Irreführende Nachahmung journalistischer Marken und Formen regulieren
- Qualitätsjournalismus sichtbarer machen
- Medienkompetenz stärker auf lokale Informationsräume ausrichten
- Monitoring- und Frühwarnsysteme etablieren
- Forschung und internationale Kooperation langfristig fördern
Haben Sie bereits pseudojournalistische Medieninhalte entdeckt?
Um das Phänomen Pink Slime umfassend weiter zu untersuchen, sind wir auf Ihre Mithilfe angewiesen. Haben Sie online oder offline Medieninhalte entdeckt, die möglicherweise dem Phänomen Pink Slime oder dem Pseudojournalismus zuzuordnen sind? Dann freuen wir uns über Ihre Meldung. Nutzen Sie dafür das untenstehende Formular oder schreiben Sie uns eine E-Mail an pinkslime@fhgr.ch